"Hier bin ich am Nordkap, am äußersten Rand von Finnmark –
und ich könnte genauso gut sagen, am äußersten Rand der Welt, da es nördlich keinen bewohnten Ort mehr gibt.
Mein Wissensdurst ist nun gestillt, und ich werde nach Dänemark zurückkehren und, so Gott will, in meine Heimat."

"Eccomi a Capo Nord, proprio ai confini del Finnmark –
e potrei dire altrettanto bene ai confini del mondo, visto che non c'è alcun luogo abitato più a nord.
La mia sete di conoscenza è ormai placata e tornerò in Danimarca e, se Dio vuole, nella mia patria."

Francesco Negri, 1664

Der Felsen auf Magerøya

ist mehr als nur ein Punkt auf der Landkarte; es ist ein legendäres Reiseziel, das seit Jahrhunderten die Fantasie von Reisenden beflügelt. Geografisch gesehen ist das Nordkap ein Felsvorsprung auf 71°10′21″ nördlicher Breite, der sich 307 Meter über die Barentssee erhebt. Es liegt an der Nordspitze der norwegischen Insel Magerøya und wird oft als der nördlichste mit dem Auto erreichbare Punkt Europas bezeichnet. Hier zu stehen bedeutet, am Rande eines Kontinents zu stehen – nur der Arktische Ozean (und die Svalbard-Inseln weit jenseits des Horizonts) trennen einen vom Nordpol.

Die Geschichte des Nordkaps

als Reiseziel reicht weit zurück. Den Namen „Nordkap“ gab ihm 1553 der englische Entdecker Richard Chancellor, der auf einer Expedition auf der Suche nach einer Nordostpassage nach Asien an diesem imposanten Kap vorbeisegelte. Das Kap tauchte fortan auf Karten und in Seefahrerlegenden auf. Doch erst 1664 ist die erste Reise eines Menschen belegt, der aus reiner Neugier und Ehrfurcht dorthin reiste. Im Winter jenes Jahres unternahm der italienische Priester Francesco Negri eine lange Pilgerreise zum Nordkap, und als er die Klippe schließlich erreichte, beschrieb er sie als „das Ende der bekannten Welt“. Negris Bericht gilt oft als erstes Beispiel für einen Touristen, der das Nordkap besuchte.
Im 19. Jahrhundert wurde die Besteigung des Nordkaps zu einem gewagten Ziel für Abenteurer und die europäische Elite. 1873 unternahm König Oskar II. von Schweden-Norwegen eine vielbeachtete Expedition, um die Klippe zu besteigen – ein Ereignis, das das Nordkap als Reiseziel bekannt machte. Sein erfolgreicher Gipfelerfolg (mit Hilfe einheimischer Führer) wurde mit Champagner gefeiert und markierte den Beginn einer Tradition: Reisende zelebrierten ihre Ankunft mit einem Drink. Nur zwei Jahre später, 1875, brachte das erste organisierte Kreuzfahrtschiff Touristen zum Nordkap und läutete damit den Beginn des regulären Tourismus ein. Diese frühen Besucher mussten an Land rudern und den steilen Berghang hinaufwandern; die Besteigung des Nordkaps war wahrlich eine Expedition, und diejenigen, die es schafften, wurden bei ihrer Rückkehr wie Berühmtheiten gefeiert. Das Nordkap wurde zum Inbegriff des ultimativen Reiseziels, zum Triumph für unerschrockene Abenteurer.
Die Faszination reichte um die ganze Welt. Im Juli 1907 wurde König Chulalongkorn von Siam (Thailand) zu einem der exotischsten Besucher des Nordkaps. Der Legende nach wurde er in einer Sänfte auf das Plateau getragen, da er das unwegsame Gelände nicht gewohnt war. Seine eingravierten Initialen (und die Jahreszahl 1907) sind noch heute auf einem Stein am Kap zu sehen, und das dortige Thai-Museum erinnert an seinen Besuch. Das Nordkap wurde wahrlich zu einem internationalen Symbol, einem Ort, an den Menschen aus aller Welt kamen, um den Nervenkitzel zu erleben, auf dem „Dach Europas“ zu stehen.
Im 20. Jahrhundert, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg, verbesserte sich die Erreichbarkeit des Nordkaps. In den 1950er- und 60er-Jahren wurde eine Straße auf Magerøya gebaut, und 1999 ermöglichte schließlich der Unterseetunnel eine ganzjährige Straßenverbindung.

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Der Nordkaptunnel ( Nordkapptunnelen)

verbindet als Teil der Europastraße 69 die Insel Magerøya, auf der das Nordkap liegt, mit dem Festland. Der Unterwassertunnel in der nordnorwegischen Provinz Finnmark ist 6.870 m lang und liegt an der tiefsten Stelle 212 m unter dem Meeresspiegel. Die ersten 3,4 km geht es bei ca 9% bergab und die letzten 3,4 km geht es wieder ordentliche 9% bergauf. Die Eröffnung fand am 15. Juni 1999 nach fünfjähriger Bauzeit statt. Die größte Steigung beträgt 10 %. Der Nordkaptunnel ist der längste Straßentunnel in der Provinz Finnmark und war zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung der längste Unterwassertunnel Norwegens.

Die Nordkap-Halle

Das moderne Besucherzentrum North Cape Hall wurde etappenweise errichtet und erweitert (die ursprüngliche Halle 1959, eine große Erweiterung 1988, ein neuer Eingang 1997), um der wachsenden Zahl an Touristen gerecht zu werden. Die Halle umfasst aktuell vier Etagen, die sich zum Teil unterhalb der Erdoberfläche befinden. In der Halle befinden sich ein Informationszentrum, Restaurants, Geschäfte und ein Postamt. Von der Halle aus führt ein unterirdisch angelegter Tunnel bis zum Rand des Nordkapplateaus. Dort endet der Tunnel der Grotte. Ein Panoramafenster mit Terrasse ermöglicht einen Blick in nördlicher Richtung über das Meer.
Die Nordkap-Halle hat das ganze Jahr täglich geöffnet:
18. Mai - 17. August  → 11.00 bis 01.00 Uhr
18. August - 31. August  → 11.00 bis 22.00 Uhr
01. September - 17. Mai  → 11.00 bis 15.00 Uhr

Heute empfängt das Nordkap jeden Sommer rund 200.000 Besucher (und im Winter eine kleinere, aber steigende Zahl). Reisende kommen mit dem Auto, Wohnmobil, Motorrad, Kreuzfahrtschiff und sogar mit dem Fahrrad oder zu Fuß, um diesen fast schon mythischen Ort zu erleben. Während im Sommer jeder eigenständig ans Nordkap fahren kann, darf wärend des Winters aus Sicherheitsgründen die Straße ausschließlich im Konvoi befahren werden.

Die Faszination bleibt

Trotz des heute leichteren Zugangs hat das Nordkap nichts von seinem Zauber verloren. Wenn man mit dem Wind in den Haaren und dem endlosen Ozean vor sich am Globe Monument steht, überkommt einen ein tiefes Gefühl der Erfüllung und des Staunens. Die Mitternachtssonne mag um 1 Uhr nachts scheinen oder die Nordlichter am Winterhimmel tanzen – solche Erlebnisse vergisst man nie. Das Nordkap ist auch von kultureller Bedeutung: Es ist ein Treffpunkt für Menschen aus aller Welt, ein Schaufenster arktischer Schönheit und ein Ort, der zum Nachdenken über die Extreme unseres Planeten anregt. Viele beschreiben ihren Besuch als Pilgerreise. Ein Reiseschriftsteller formulierte es so: „Dies ist der Höhepunkt aller Reisen.“
Das Nordkap verkörpert sowohl ein geografisches Extrem als auch einen symbolischen Meilenstein, einen Ort, an dem man in Europa buchstäblich nicht weiter auf dem Landweg reisen kann und an dem einen die bloße Anwesenheit mit einer langen Reihe von Entdeckern und Träumern verbindet. Kurz gesagt, das Nordkap ist der Gipfel Europas, und für viele ist es ein emotionaler und unvergesslicher Höhepunkt ihrer Reise, am Rande der Klippe zu stehen und auf den arktischen Horizont zu blicken.